Sommertörn 2001

Kay's Reisebericht von der ersten Hälfte

Hallo Freunde! Die Tage werden wieder länger aber bis zum nächsten Saisonstart dauert's ja doch noch 'ne Weile. Warum also nicht 'n büschen in Erinnerungen schwelgen! Ik vertell mol wat vun'n letzten Törn na Stockholm:

Also,geplant war eine Reise zu den Ålandinseln und dort die Crew zu wechseln. Ich sag's gleich, uns fehlten ein (höchstens zwei) Tage fair winds zum Erreichen dieses Ziels! So wurde es dann "nur" Stockholm.

Die Crew dieser Reise könnt ihr mal kurz durchklicken: Carsten, Maren, Klaus, Schorsch, Jørgen, Claus Udo, und ich (Kay),

1.Tag Freitag 29.06. 27,7 sm

Geht ja gut los: Maschine springt nicht an! Kraftstofffilter verdreckt, gesäubert. Leinen los Laboe 12:15 h. Null Wind, drehen uns vor Wendtorf im Kreis. Aber zurück auf keinen Fall! Wegen der Leute, die gesagt haben: "An einem Freitag läuft man nicht aus". Unter Maschine auf offenes Wasser. Dann Wind für ca. 4 kn Fahrt. Bagenkop fest 22:45 h 

2.Tag Sonnabend 30.06. 19,2 sm

(Früüühstück!) Leinen los Bagenkop 09:30 h. Schwachwindig, im Langelandbelt Wind von oben! Maschine springt wieder nicht an. Schorsch taucht für 'ne Stunde ab, dann läuft sie wieder (und wird uns bis zum Törnende auch keine Probleme mehr bereiten!) Schorsch taucht wieder auf und sieht aus wie'n Neger. Spodsbjerg fest 16:30 h. (Spodsbjerg)

3.Tag Sonntag 01.07. 47,9 sm

Leinen los Spodsbjerg 10:00 h. Frischer achterlicher Wind und Böenwalzenbewölkung. Setzen Breitfock als einziges Segel,(Breitfock1) toben bei achterlicher See mit bis zu 7 kn das Smålands Fahrwasser runter. (Breitfock2) Wind legt noch'n büschen zu, kommen fast in's Surfen! Den Grønsund hoch nur Fock und Besan. Stubbekøbing fest 21:00 h.

4.+ 5.Tag Montag 02.07.-Dienstag 03.07. 102,8 sm

Leinen los Stubbekøbing 02.07. 10:30 h. Viel zu spät! Da kamen doch einige nicht mit'm Arsch aus der Koje! Wind war heute morgen noch wie gestern, nimmt jetzt aber schon ab und schläft vor Møns Klint fast ganz ein.

(Møns Klint)
Treiben Richtung Trelleborg oder so. Kann auch Ystad sein. Lassen ab und zu den Jockel mitlaufen. Es wird Nacht. Zum Heulen schöner Sonnenuntergang im Norden über Schonen

(Mittsommer)
Nach Süden zu: Ein kugelrunder Mond giesst Silber auf's Wasser. Beides verbindet ein funkelnder Sternenhimmel. Keine Wolke, kein Wind. Lassen die Maschine aus. Abendrot wandert Ost und wird 2 Stunden später schon zum Morgenrot. Ystad in Flammen! Wir beschliessen, bis Simrishamn weiterzulaufen.(Und verzichten somit auf den Anblick der hübschen Hafenmeisterin von Ystad, aber das weiss nur ich!) Vor Kåseberga bergen wir die Segel. Carsten badet mal kurz. Dann unter Maschine bis Simrishamn. Fest 03.07. 19:45 h.

6.Tag Mittwoch 04.07. -- Hafentag!

(Simrishamn1) (Simrishamn2) Ostwetterlage bleibt stabil, es wird knallheiss. Wir erwarten gegen Abend einen weiteren Mitsegler: Der frühere Eigner der "Sampo", Jørgen Hammer aus Guldborg kommt. Nutzen den Tag für einen Ausflug zur germanischen Schiffssetzung Kåseberga. Gewaltig! (Kåseberga1) (Kåseberga2) Hole Jørgen vom Zug ab. Sitzen abends am Hafen und vertilgen mehrere Tonnen Speiseeis.

7.Tag Donnerstag 05.07. 29,5 sm

Leinen los Simrishamn 07:30 h. Kommodiger Wind bis Hasle (Bornholm) (Anlegebier) (Räucherei) Fest um 16:00 h. Gehen zum Strand zum Baden. Die Ostsee hat 24° C !!! Sogar ich gehe in's Wasser, obwohl das eigentlich immer nur in Schaltjahren passiert, in denen ein neuer Papst gewählt wird. Motto: Ein Seemann gehört auf's - allenfalls an's - aber nie in's Wasser! (Seglerbräune).

8.Tag Freitag 06.07. 43,7 sm

Leinen los Hasle 07:15 h. Wohin bei der Windrichtung? (Ost) Sind dabei, Polen in's Auge zu fassen, Richtung Hanø Bucht würde uns zurück nach Simrishamn bringen. Dann aber dreht der Wind über Süd nach Südwest. Es wird Nexø auf der Ostseite von Bornholm. Klaus angelt schnell mal 7 bis 8 Dorsche, die er dann abends kocht. Gibt's mit Pellkartoffeln und brauner Butter. Häälich! Fest Nexø 17:00h.

9.Tag Sonnabend 07.07. 53,9 sm

Leinen los Nexø 06:15 h. An Swaneke und Christiansø/Frederiksø (Erbseninseln) vorbei, können wir Utklippan man gerade anliegen. Der Dampfertrack davor macht uns 'dat Hemd am flattern' wie man in Düsseldorf (südlich vom Elbtunnel) sagt. Die Frachter und Fähren auf der "Ostsee-Autobahn"; kaum, dass sie an der Kimm erscheinen, sind sie schon da! Wir müssen einige Male zusätzlich die Maschine anschmeissen und dann: Hebel auf den Tisch und Zick-Zack wie die Hasen. Utklippan ist eine grössere Schäre weit vor der Küste (Karlskrona) mit einem reingesprengten Nothafen. Eng und felsig.(Utklippan) Carsten liefert ein blitzsauberes Hafenmanöver ab. Naturtalent! (Jørgen) Utklippan fest 20:15 h.

10.Tag Sonntag 08.07. 48,9 sm

Leinen los Utklippan 08:30 h. (Farvel!) Es kachelt heute piel gegenan, dazu eine kurze hackige Welle. Müssen unter Maschine bis zur Südspitze von Øland (Sødra Odde) in Landabdeckung dampfen. Dann können wir Kurs ändern und Segel setzen. Keine Welle und ca. 6 bft raumer Wind, das mögen alte Damen wie die "Sampo" und sie lohnt es uns mit Stunden, die nie vergehen dürften! Ab jetzt geht es Nord! Mørbylånga (Øland) fest 18:00 h.

11.Tag Montag 09.07. 54,1sm

Leinen los Mørbylånga 09:45 h. Bei kommodigem Wind den Kalmarsund rauf. Vorbei am Schloss Kalmar (Friede von Kalmar anno Krug) unter der gewaltigen Kalmar Sund Brücke durch. Das Schloss Solliden (Sommerresidenz von Herrn Bernadotte, König aller Schweden) und schliesslich die Blå Jungfru werden passiert. Byxelkrok (Øland) fest 22:00 h. Eine lange dünne Insel, dieses Øland!

12.Tag Dienstag 10.07. 50,6 sm

Leinen los Byxelkrok 09:45 h. Um Ølands Norre Udde und seinem Leuchtturm "Langer Erik" rum, Richtung Gotland. War bis hier 2 - 3 bft, schläft der Wind bald ein. Um uns herum pechschwarzer Himmel, Gewitterfronten, Blitze zucken, See wie flüssiges Blei.(Gewitter) Müssen sehen, dass wir Land gewinnen (im wahrsten Sinne). Das war's wohl mit der Ostwetterlage! Haben Glück, erreichen Visby (Gotland) ohne "Feindberührung" (sprich Gewitterböen) um 20:45 h. In Visby ist Jahrmarkt am Hafen ('Kirmes', für meine Freunde südl. des Elbtunnels!) Die Befeuerung der Hafenansteuerung mischt sich munter mit der Illumination der Karussells. Trotzdem finden wir das "Loch".

13.Tag Mittwoch 11.07. Hafentag! Geplant!

Der Hafen von Visby ist voll riesiger Motoryachten von Söhnen reicher Eltern vom Festland, eine einzige riesige Disco, Krach und nackte Titten ohne Ende! Nur 100 m weiter dann das Visby der Touristen und Souveniere.(Visby1) Und wenn man sucht, dann: romantische Winkel, atemberaubende Aussichten,(Visby2) Geschichte, Stille.(Visby3) Abends lädt uns Jørgen, der "Fliegende (H)Lolländer" zum Essen in den weltberühmten "Rosengården" ein.

14.Tag Donnerstag 12.07. Hafentag! Ungeplant!

Der Wind weht dir den Rotz von der Backe! Wetterbericht: 8-9 bft Welle 3 m! Klaus und Schorsch müssen uns verlassen und nehmen die Fähre nach Oskarshamn. Wir sind jetzt nur noch zu viert, wobei ich wohl vergessen habe, zu erwähnen, dass Maren Rollstuhlfahrerin ist. Wir bleiben im Hafen. Später per Handy: Schorsch von der Fähre: Das war gut so, sogar dort geht es ganz schön "zu Kehr"!

15.Tag Freitag 13.07. 65,0 sm

Leinen los Visby 08:30 h. Wind kaum weniger als gestern. Welle auch nicht. Aber wir müssen los: Erstens, Jørgen muss nach Hause aber wir brauchen ihn noch bis zum Festland (Personalmangel). Zweitens, Claus Udo kommt nach Västervik. Also: Maren im Kartenhaus, Rollstuhl an Deck festgelascht, Augen zu und durch! Wind: Gewitterböen bis 9 bft, Welle 3 m Aber unsere Altvorderen konnten noch Schiffe bauen! Sowas wie die "Sampo" zum Beispiel. Na, und wir; Die Crew! Fest Västervik 18:30 h. Claus Udo kommt an, wie wir in den Hafen einlaufen.Perfektes Timing! Carsten, Maren und Jørgen fahren nach Hause.

16.Tag Sonnabend 14.07. 30,8 sm

Leinen los Västervik 09:45 h. Crew: Claus Udo und ich. Wir wollen bis Stockholm innerhalb des Schärengartens bleiben.
(Hier geht's rein) Fest Fyrudde 19:45 h. Bunkern und gönnen uns dann oppulentes Fischgericht im Hafenrestaurant.

17.Tag Sonntag 15.07. 19,4 sm

Leinen los Fyrudde 10:45 h. Uns treibt ja nichts. Trotzdem: Ein Schiff von der Grösse der "Sampo" unter Segeln durch die Schären zu lavieren, erfordert höchste Konzentration. Claus Udo über der Seekarte, (Navigator) ich am Ruder (Rudergänger) und keiner, der einen mal ablösen kann. Pinkeln: Über Bord da wo du stehst, aber lass das Steuerrad nicht los! Fest Arkø-Sund 17:00 h. Lernten hier die unfreundlichste, geldgierigste Person des Universums kennen: Die Hafenmeisterin! Sie kann aber unser Geld nicht wechseln, will dann morgen früh wiederkommen. Landschaft aber traumhaft. (In den Schären). Claus Udo badet, ich nicht weil: siehe unter Hasle (Bornholm). Wasser ist offensichlich auch ordendlich was kälter geworden (man sieht's bei Männern wenn sie aus dem Wasser kommen).

18.Tag Montag 16.07. 39,4 sm

Leinen los Arkø- Sund 06:15 h. Haben kein Hafengeld bezahlt! Das ist ein schöner Tag! Wegen null Wind laufen wir bis Trosa unter Maschine. (In den Schären) Rollenverteilung wie gehabt, höchste Konzentration. (Toppzeichen?) Trotzdem laufe ich beinahe auf einen "Schläfer", so nennt man Schären, die knapp unter der Wasseroberfläche auf dich lauern (Fast so gefährlich wie die Schläfer von Osama bin Laden). Trosa fest 16:45 h. Ein bezauberndes kleines Hafenstädtchen, büschen eng, büschen flach aber richtig knuffig.

19.Tag Dienstag 17.07. 29,2 sm

Leinen los Trosa 09:45 h. (Schärengarten) Schönes Segeln durch die Aussenschären bis zum Fährhafen Nynäshamn. Fest 16:40 h. Ausser einer guten Rögeri (Fischräucherei) gibt's "nothing to write home about". Müssen wegen der Fähre von Gotska Sandøen verholen, liegen dann neben dem High-Tech-Trimaran "Sony". Zwei Welten prallen aufeinander.(Sony)

20.Tag Mittwoch 18.07. 44,5 sm

Leinen los Nynäshamn 09:30 h. Wind 0 bis 2 bft, schlechte Sicht. Schmeiss den Riemen auffe Orgel. An Dalarö vorbei zum Bakken Stekket. Das ist eine Art Natur-Kanal zwischen zwei Inseln, der den Weg nach Stockholm wesentlich verkürzt. Aber: Links und rechts haushohe Felswände, Fahrwasser gerade so breit wie das Doppelte der Sampo. Uneinsehbare Biegungen, Mörderstrom von achtern. Die Leute guckten schon irgend wie neerig, als wir in dieses "Fahrwasser" einfuhren. (Hinein!) Kurz: Blut und Wasser schwitzen, nie wieder!, es sei den mit einem Tret- oder Paddelboot. (Felsen) Aber nach 45 min heil durch! (Blick zurück...) Sind dann im Stockholmer Hafen durchgelaufen bis zur Innenstadt. Haben uns dann (wahrscheinlich verbotenerweise) an die Uferpromenade fast unterhalb von Sylvia's bescheidene Hütte (Königsschloss) gelegt. Ging aber alles klar, ein Hafenmeister zum kassieren kam auch nicht, sind wohl mit der Kgl. Staatsyacht verwechselt worden ;-)! Fest Stockholm 17:45 h.

21.Tag Donnerstag,19.07. Hafentag!

(Stockholm) Die Ålands haben wir uns abgeschminkt. Stockholm ist zu schön und ausserdem ist es für Claus Udo's Familie, die heute abend einfällt und den zweiten Teil des Törns bestreitet, einfacher hierhin zu kommen. Und der Wind stimmt auch nicht. Latschen durch Stockholm bis zum Koma. (Nix mehr jetzt, fahrt selbst mal hin!)

Die Logge zeigt 707 Seemeilen, was 1309 km sind (für meine Freunde südl. vom Elbtunnel).

22.Tag Freitag 20.07. Heimreise

Dagmar und Co sind gestern gut angekommen. Wir frühstücken noch ganz gemütlich (Abschied) und ich mache mich gegen halb neun vom Acker. Der Saab von Claus Udo bringt mich der Neuzeit abrupt wieder ein Stück näher, mein Hintern wundert sich noch stundenlang über die weichen Polster! Das Wetter ist hochsommerlich, mache am Vätternsee einen kurzen Abstecher nach Vadstena, schaue hoch über dem See auf kleine Inseln mit Spielzeugbauernhöfen drauf. Dann Fähre Hälsingborg- Helsingør (Hamletschloss: "To be or not to be", alles Quatsch, die sprechen dänisch hier seit Menschengedenken!) Weiter: Seeland und Fähre Gedser - Puttgarden. Im Weiterfahren, erlebe ich noch einen traumhaften Sonnenuntergang über der Hügellandschaft meines Heimatlandes Schleswig-Holstein. Überall gibt es schöne Ecken, das was man erlebt macht den Unterschied! Kurz vor Mitternacht bin ich wieder zu Hause.

Tschüss bis zum nächsten Mal!

Kay

Arved Fuchs: Das Ende der einen Reise ist der Beginn einer neuen.